The City Groove Frankfurt

The City Groove Frankfurt

2007 gab es den ersten Sampler/die erste Compilation der City Groove-Reihe. 50 Tracks waren da untergebracht und wurden als Groove Garden veröffentlicht. Im weiteren Verlauf wurden sie aufeinander abgestimmt und mit „dezenten Eingriffen“ verfeinert. Diese Eingriffe rühren aus der Erfahrung als DJ in der Chill Out-Zone, als Begleiter:in einiger Labels und als Musikjournalist:in in der neuen elektronischen Musik. Neu deshalb, weil aus Berlin und Frankfurt tiefgreifende Impulse das dahindümpelnde Genre „New Age“ aufgemischt hatten.

2008 und 2010 folgten mit der Vault 13-Reihe genreübergreifende Zusammenstellungen – mit jeweils 50 Tracks, die mit der zweiteiligen „Wolkenreise“ ihren vorläufigen Höhepunkt fand. Grundlage der Groove Garden-Reihe, die Frage, die einst Bernd Friedmann (nuf / Köln) stellte: „Was ist Ambient? Das, was Brian Eno mit seiner Ambient-Reihe definierte (Music for Airports) oder ist es nicht doch mehr?“ Pete Namook, der in England mit Fax-Records und seiner Definition von Ambient gefeiert wurde, brachte Environmental ins Spiel, parallel dazu entstand „Sound of Frankfurt“. Der City Groove, der um die Welt ging.

In my Bag: The City Groove

Beim Erstellen der ersten Zusammenstellungen war die richtige Anzahl an Tracks für Arbeitsumgebungen, einer Couch-Session oder einer verträumten Wolkenreise im Freien mit der Zahl 50 verbunden.

Rückblick: In meiner Sturm- und Drangzeit gab es auf einer „Pop Explosion“ pro Vinylseite 10 Tracks (manchmal auch weniger). Das hat sich später mit Aufkommen der CD nicht wesentlich gesteigert. Zwei Vinylseiten passen auf eine CD. Da waren es aber dann 20 Tracks am Stück – ohne Seitenwechsel. Mit der Einführung der DVD kam von Klaus Schulze der augenzwinkernde Kommentar: „Jetzt können wir anfangen, Musik zu machen.“ Dazu muss man wissen, dass Klaus Schulze allein für ein Intro mehr Zeit benötigte, als so mancher Nachkömmling der elektronischen Pop-Musik für ein Album. Und wenn Klaus fertig war, waren eng gepresste 74 Minuten auf der CD sein Eigen – für zwei Tracks. In einer anderen Zeit waren es knapp 28 Minuten auf einer Vinylseite. Dafür hat er keinen Hit geschrieben, nur Musikgeschichte in der elektronischen Musik. „Deus Arrakis“ ist sein letztes Album († 26. April 2022).

Ein paar Ausnahmen gibt es zu den 50er-Compilation. Da wäre einmal die Deep Ambient & Tribal-Geschichte zum Tod von Jorge Reyes. Dann das Ambient Cookbook nach Pete Namlook, das Stöckchen Musik und auch die Mix-Geschichten „In my Bag“, mit den Mixen von DJ Abyss, Axel Wirtz, Dave Davis & Ugly IQ, Move D, Richie Hawtin, S.i.T. und Slipmaster.

Blick nach vorne

Die kommenden Seuchengebiete peile ich mit 20 bis 25 Tracks an. Mehr verträgt das Gemüt nicht, oder doch? Seuchengebiete II sind auch in der Pipeline – allerdings im „Look & Feel“-Design der Groove Garden-Reihe.

Groove Garden: The City Groove
Groove Garden: The City Groove

Ich habe letztes Jahr Spotify getestet – war nicht so dolle; seit September läuft TIDAL. So schön alles auch ist, in Sachen Zusammenstellung „Five Zero“ tritt auch hier zutage, was überall „noch“ bei den Streamingdiensten anzutreffen ist, das muntere Aufeinandertreffen verschiedener Aussagen ohne auf den Inhalt zu achten. Beispiel: Es wird aus einem Konzeptalbum ein Track herausgerissen und irgendwo dazugemischt. Passt ja – vom Genre und Style. Wenn das aber ein Track ist, der zu einem anderen überleitet, bzw. ein Teilauszug eines Gesamtwerkes ist, ist das schon verwerflich.

„Oxygene Part 1 und 2“ ergeben auf „Wolkenreise“ eine Einheit, bei den Streamingdiensten, wird sowohl Part 1 als auch Part 2 zu einem „Radio Mix“ getrennt dazugepackt. So ergeht es vielen Künstlern wie z. B. Biosphere, Jon Hopkins, Klaus Schulze oder Pete Namlook. Auch Pink Floyd ist davor nicht gefeilt. Vielleicht gibt es mal eine KI, die das aufgreift und die künstlerische Aussagen der Musiker:innen unterstützend dem Hörer/der Hörerin im Radio-Mix unterbreitet. Das dürfte aber noch ein wenig dauern. Komponieren kann die KI laut heise schon. Es ist also alles nur eine Frage der Zeit.

Zumindest ist aber auf TIDAL hin und wieder ein kleiner Wellengang auszumachen. Es ist dabei nicht alles auf eine Geschmacksnote, einen Groove ausgerichtet, wie es leider zu oft im professionellen Bereich für viel Geld zu hören ist (u. a. auf der Messe Prolight + Sound). Wellenreiten ist da nicht möglich. Es ist auch eine Philosophie, wie man Musik versteht und auch weiß, wie man genreübergreifende Tracks zusammenführt, ohne Brechreiz zu bekommen (O-Ton Klaus Schulze). Und, Lautstärke ist längst nicht alles …

The Groove is you

Mit „The City Groove“, der Nummer #37 der Groove Garden-Reihe, wird das wieder zutage treten. Selbst im Shuffle-Modus.

Beitragsbild: pixabay/geralt

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